Skip to main content.

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Wie soll man Musik CDs am besten archivieren ?

Ein kleiner Leitfaden, wie man CDs verlustlos komprimiert - und das mit einer Methode, die selbst professionellen Ansprüchen genügt.

Wie sich inzwischen herumgesprochen hat, sind CDs nicht unbegrenzt haltbar, vor allem, wenn sie hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Zerfall von CDs inzwischen das Kulturerbe bedroht ! U.a. das Deutsche Musikarchiv fürchtet um seinen CD-Bestand - nachzulesen in diesem Artikel auf heise online.

Deshalb sollte gerade derjenige Musikfreund, der im Auto gerne CDs hört, vorher von seinen Original-CDs (sofern sie nicht kopiergeschützt sind) Sicherheitskopien anlegen.

Die einfachste Möglichkeit ist, die gesamte CD z.B. mit k3b zu kopieren, was aber den Nachteil mit sich bringt, dass sich mit der Zeit relativ viele kopierte einzelne CDs ansammeln.

Cleverer wäre es, die CDs komprimiert abzuspeichern, z.B. auf einer DVD. Dann können gleich mehrere CDs auf einer DVD gesichert werden. Wer das mit Hilfe der MP3-Komprimierung tut, der übersieht, dass diese Methode mit Verlusten behaftet ist! Wenn Wert auf den Originalklang gelegt wird, sollte daher ein verlustloses Verfahren verwenden.

Natürlich müssen diese Verfahren gut dokumentiert und am besten Open Source Software sein, damit viele Jahre später noch die Möglichkeit besteht, auf anderen Plattformen oder Betriebssystemen das Original wieder herzustellen.

Die Software

... dazu heisst FLAC (Free Lossless Audio Codec). Dieser Codec wird von vielen Linux-Programmen unterstützt. So z.B. auch von Konqueror mit installierter Multimedia Erweiterung (apt-get install kdemultimedia-kio-plugins), k3b oder KAudioCreator. Die WAV-Dateien lassen sich ca. um die Hälfte (max. 70%) verlustlos komprimieren. Der Codec wurde inzwischen auf alle gängigen Betriebssysteme portiert und auch immer mehr Hardwarehersteller integrieren ihn in ihre MP3-Player Produkte (z.B. Rio, Kenwood, iMuse...).

Leider kenne ich keine vergleichbare Linux-Software wie Exact Audio Copy (EAC) unter Windows. Doch hat man mit "wine" die Möglichkeit EAC in der Version 0.85b auf Linux zum Laufen zu bringen. EAC versucht mehrfach Tracks auszulesen, ohne dass die Fehlerkorrektur aktiv wird und Werte interpoliert. Man will ja die Originaldaten gewinnen.

Unter Linux kann man in der Zwischenzeit mit abcde arbeiten (apt-get install abcde. Evtl. müssen noch einige kleinere Pakete für Sonderfunktionen nachinstalliert werden (z.B. id3v2 zum Lesen der id-Tags von der CD). abcde ist sehr ein sehr leistungsfähiges Rip-Programm für den Batch-Betrieb und wird über die Command-Line gestartet. Beim Aufruf von abcde -o flac wird in dem aktuellen Verzeichnis die komplette CD in Wav-Dateien ausgelesen und dann in das flac-Format konvertiert, wobei die Lese- und Konvertierungsprozesse parallel laufen - es ist sogar möglich, gleichzeitig in das flac und das mp3-Format zu konvertieren.

Cue Sheet Daten

... sind Angaben zu den Pausen zwischen den Stücken und zu evtl. vorhandenen Höhenabsenkungen (diese wurden bei der Aufnahme angehoben um den Signal-Rausch-Abstand zu verbessern). Cue Sheet Daten sollten aus diesen Gründen auch mit abgespeichert werden, um die CD wieder 1:1 herstellen zu können.

EAC kann Cue-Sheet Daten lesen, es gibt aber auch die Möglichkeit fertige Cue-Sheets aus dem Internet herunterzuladen: http://www.regeert.nl/cuesheet/. Mit ein bisschen Glück findet man die gesuchten Sheets dort.

Natürlich braucht man ebenfalls ein Brenn-Programm, welches die Cue-Sheet Daten verarbeiten kann. Unter Windows ist das z.B. Burrrn. Unter Linux habe ich noch kein Brenn-Programm gefunden, welches Cue-Sheets verarbeiten kann, es dürfte aber nur ein Frage der Zeit sein, bis es so etwas geben wird.

Die Medien

sind natürlich das Wichtigste bei der Archivierung!

Es sollten unbedingt qualitativ hochwertige Rohlinge verwendet werden. Am besten Rohlinge von Taiyo Yuden, diese werden meistens unter dem Namen "Plextor" hierzulande angeboten, z.B. gleich als 50-er Spindel (CD-R 48x). Sie wurden schon mehrfach mit guten Noten bewertet und sind relativ langlebig.

Die Hardware

Wenn eine gute Qualität erzielt werden soll, dürfen die CDs nicht mit hoher Geschwindigkeit ausgelesen werden. Empfohlen wird eine 2x bis 4x Geschwindigkeit.

Wenn es Probleme beim Auslesen von kopiergeschützten CDs gibt, kann man versuchen, es mit einem älteren CD-Laufwerk zu versuchen. Der Schutz darf nicht "aktiv umgangen" werden, da man sich sonst strafbar macht.

Warum nicht Zippen ?

... wird sich vielleicht der ein oder andere fragen. Ähnlich wie beim Zippen komprimiert flac die Daten ebenfalls verlustlos, allerdings ist der Algorithmus, den flac verwendet für Audio-Daten optimiert worden. D.h. es werden z.B. Ähnlichkeiten zwischen den Stereokanälen entdeckt und besonders platzsparend archiviert.
Zip dagegen ist für alle möglichen Arten von Daten konzipiert worden.
flac kennt mehrere Kompressionsstufen, die aber alle verlustfrei arbeiten !

Was soll das Ganze ? Warum nicht im mp3-Format speichern ?

Diese Fragen könnte man sich auch stellen. Im Grunde ist es schade, dass man sich nicht mehr für den Originalklang interessiert. Auf einem iPod wird man den Unterschied sicher nicht erkennen können. Aber auf einer hochwertigen HiFi-Anlage wird man ihn hören.
Seltsamerweise ist das Interesse, dem Original so nah wie möglich zu kommen seit ca. 10 Jahren immer geringer geworden (s. hierzu den Spiegel-online Artikel CD UND MP3 - Niedergang der Hörkultur).

Links

Cue-Sheets:

flac: http://flac.sourceforge.net/documentation_tasks.html

Diverse Audio-Editoren und Programme: http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=432 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren